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| Der Französisch-Deutsche Chor: ein wenig Geschichte |
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| Donnerstag, 27. November 2008 um 18:49 Uhr |
Die Französisch-Deutschen ChöreZivilgesellschaftliche Initiative von herausragender OriginalitätUnter allen Initiativen, die von der Zivilgesellschaft nach Ende der Feindseligkeiten des zweiten Weltkrieges ergriffen wurden, um in Freundschaft und Zusammenarbeit zur Versöhnung beizutragen, befindet sich eine französisch-deutsche, die sich durch Originalität und besondere symbolische Bedeutung mitteilt: Die Französisch-Deutschen Chöre. Der Erste unter ihnen hat 1965 in Berlin das Licht erblickt, als die Tinte des Elyséevertrages gerade trocknete, und dies war während meines ersten professionellen Aufenthaltes als Diplomat im Ausland. Die Initiative ging aus der ganz einfachen (und immer noch gültigen) Idee hervor, dass jede assoziative Aktivität, einstmals einstaatlich geführt - in meinem Beispiel, war ich während meiner Studien am Gymnasium Louis-le-Grand in Paris zunächst Chorleiter eines Amateurchores - leicht eine zweistaatliche Dimension annehmen kann, indem sie vor Ort Junge und weniger Junge vereinigt, die dieselbe Leidenschaft für eine betreffende Aktivität teilen, hier den Chorgesang. Über die musikalische Praxis selbst hinaus, bestand die Zielsetzung dieses ersten „doppelt gemischten Chores“ (Jungen und Mädchen, Franzosen und Deutschen) darin, den Chorsängern der zwei Nationen, die in derselben Stadt lebten, die Gelegenheit regelmäßiger und häufiger Zusammenkünfte zu verschaffen (wöchentliche Chorproben, Arbeitswochenenden, Konzerte, Tourneen und Einspielungen), geeignet, feste, herzliche und dauerhafte persönliche Freundschaften hervorzubringen. Man muss übrigens in der Tat unterstreichen, dass die Häufigkeit und die Regelmäßigkeit der Zusammenkünfte oft das ist, was den französisch-deutschen Beziehungen fehlt. Sobald sie die Überschreitung der Grenze verlangen und nur nach Ablauf langer und kostspieliger Reisen stattfinden, liegt das notwendigerweise in der Natur der Sache. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, wie es das Sprichwort genau richtig sagt. Der Erfolg dieser Mischformel war unmittelbar, und sehr schnell ansteckend: nacheinander sahen München, Paris, Baden-Baden, Köln, Lille, Bonn, Lyon, Freiburg, Toulouse, Aurillac, Trier, Bremen, Dresden, Würzburg und dann Straßburg und Aachen über die Jahre die Geburt eines neuen französisch-deutschen Chores. Chöre, die nicht zögerten, sich in einer Föderation zusammen zu schließen, und ihr bestes zu geben, wie es für mehr als zehn Jahre in Montpellier der Fall war, und in Paris, wo ein zweiter Französisch –Deutscher Chor, dirigiert von Herrn Christoph Kühlewein zwischen 1981 und 2005 exerzierte. Die Föderation der französisch-deutschen Chöre hat sich den Geist der Politik von Weimar auf kultureller Ebene zu eigen gemacht, und sich beim Fall der Berliner Mauer auf die Suche nach einem Partner in Polen gemacht. Von nun zählt sie in ihren Reihen einen hervorragenden polnischen Chor, den Choral Interuniversitär Sainte-Anne in Warschau. Woran liegt dieser Erfolg, der sich während mehr als 45 Jahre nie verleugnen ließ? Sicherlich und vor allem an einer der Tugenden, die dem Chorgesang eigen sind, in so ausgezeichneter Weise hervorgehoben von Caesar Geoffray, dem Gründer der Bewegung À Cœur-Joie („von Herzen Freude“). Die Föderation französisch-deutscher Choräle hängt ihr an, verdankt ihr ihren Geist verdankt und pflegt ihre Tugend, nämlich Freundschaft zwischen Choristen zu favorisieren, zu praktizieren, mit dem Ziel bestmögliche musikalische Qualität zu erzeugen. Aber er liegt auch, wiederholen wir es, an der glücklichen Konsequenz von Ausdauer, die der Chorgesang erfordert, wenn er präsentable Ergebnisse erzielen will: Regelmäßigkeit und Häufigkeit der Zusammenkünfte, ausreichend Gelegenheit für jeden der Choristen, den anderen zu kennen, sich zu testen seine Sprache zu sprechen, seine Lebensart zu erfahren, genereller, die Ähnlichkeiten und die Unterschiede zwischen den beiden Kulturen aufzudecken. Wenn ich meine Feststellung auf andere assoziative Aktivitäten übertrage, welche auch immer, bin ich zutiefst davon überzeugt, dass das Praktizieren in Gemeinschaft für junge Leute unersetzlich, und tausendmal wertvoller ist, als ein Bi-nationales Treffen ohne diese Verknüpfung und innere Triebkraft. Ein solches Treffen kann Reden und oberflächliche Kontakte ermöglichen, während man vom „gemeinsamen Schaffen“ in meinen Augen weit mehr als vom „miteinander Reden“ mitnimmt. Die hervorgehobene Bedeutung der französisch-deutschen Zusammenkunft vor Ort (möglich a priori überall, wo eine Minderheitsgemeinschaft der anderen Nationalität anzutreffen ist, das heißt insbesondere in den Hochschulstädten), darf nicht zu der falschen Schlussfolgerung führen, dass die französisch–deutschen Chöre nicht in das Partnerland reisen. Vielmehr hören sie auf nicht, ihre gegenseitigen Beziehungen unaufhörlichen zu kultivieren, sei es zwischen zwei Chören oder sogar global. Wenn der Geburtstag des ein oder anderen Chores ansteht, bietet sich die Gelegenheit ein großes Konzert vorzubereiten, und es zusammen zu geben, um das Ereignis zu markieren. Es war insbesondere der Fall in Paris, wo dreimal (im Jahre 1996, im Jahre 2001 und im Jahre 2006), großartige Konzerte gegeben worden sind, die je mehr als 400 Chorsänger und Musiker versammelten, zunächst im Winterzirkus, dann in der Basilika von Saint-Denis, gefolgt von der Kirche Saint-Sulpice – — all diese Zusammenkünfte waren möglich dank der entscheidenden Unterstützung des Office franco-allemand pour la jeunesse und der Stiftung “Entente Franco-Allemande “ in Strassburg. Was immer das musikalische Programm, überall, wo der eine oder andere französisch-deutsche Chor im Konzert auftritt, wird er von der Öffentlichkeit sogleich als Träger- von Freundschaft und französisch-deutscher Zusammenarbeit wahrgenommen. Dieses Symbol kann in gewissen offiziellen Situationen und an bestimmten Orten besonders kraftvoll wirken: im Élysée auf Einladung des Präsidenten Pompidou, der des Präsidenten Giscard d' Estaing; im Invalidendom in Anwesenheit des Präsidenten Mitterand und des Kanzlers Kohl; in der Kunsthalle von Bonn anlässlich des 20. Geburtstages des Élysée Vertrages, in Dresden und Warschau, wo mehrere Chöre zusammen versammelt die bewegende „Kantate für den Frieden” aufgeführt haben; in Colmar, Caen, Freiburg, Köln und Berlin anlässlich einer Gedenkfeier im Jahre 1995 zum Ende des zweiten Weltkrieges oder auch in der Kathedrale von Chartres in Anwesenheit des Bundeskanzlers, während des Gedenkens an den Abt Franz Stock; am Mémorial von Caen zweimal auf der Clairière des Fusillés in Châteaubriant und am 6. Juni 2005 bei der Erinnerungszeremonie des 60. Geburtstages der Landung der Verbündeten in der Normandie, in Anwesenheit des Präsidenten Jacques Chirac und des Kanzlers Gerhard Schröder; im Oktober 2008 nahm der französisch-deutsche Chor von Paris am Standort des Monumentes von Pennsylvania in Varennes-en-Argonne am 90. Geburtstag des Endes des ersten Weltkrieges teil, und ebenfalls an einer Zeremonie des Auffrischens der Flamme unter dem Triumphbogen, wo er die Hymne „Marseillaise“ sowie die europäische Hymne zelebrierte. In anderen europäischen Ländern sind die französisch-deutschen Chöre ebenfalls Botschafter der Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland. Es ist in der Tat dank ihnen, dass die Mauern von Budapest eines schönen Tages, von Plakaten bedeckt, erstaunten Einwohnern die Anwesenheit einer gemischt französisch-deutschen Gemeinschaft ankündigten; dank ihnen haben die französischen und deutschen Kulturdienste in Prag miteinander gearbeitet, um im berühmten Dvorak-Saal des Rudolfinums ein Konzert zu organisieren, das zusammen vom französisch-deutschen Chor von Paris und dem Jugendsinfonieorchester der Stadt Bonn gegeben wurde; dank ihnen noch immer, dass die Botschafter Frankreichs und Deutschlands in Polen aufrecht und nebeneinander vor den Offiziellen der Stadt Warschau die polnische katholische Hymne „Gaude Mater Polonia“ gesungen haben, zutiefst bewegend in einer voll besetzten Kathedrale. Dieselben Zeugnisse in Rom, Brüssel, Lüttich, in Finnland… Anderswo in der Welt ist es auch durch sie, dass man während einer ganzen Woche die französische und deutsche Fahne Seite an Seite auf dem Dach des Vorsitzes der Republik von Senegal flattern sieht, auf persönlichen Wunsch von Herrn Léopold Senghor, dann in Arkadien am Eingang des großen Kapitells Arcadiades und in den anglophonen Straßen Monctons, und weiter noch in Sapporo und Kyoto, die japanische Fahne zwischen den französischen und deutschen Fahnen. Und weshalb in diesem Zusammenhang nicht stolz unterstreichen, dass die Zusammenarbeit zwischen dem französisch-deutschen Chor in München und dem internationalen Chor von Sapporo der Ausgangspunkt einer Partnerschaft zwischen dieser japanischen Stadt und der bayrischen Hauptstadt war? Ebenso war der französisch-deutsche Chor von Paris, der erste Europäische im zerstümmelten Beirut. Ein letztes Wort, das besonders die schon erwähnte „Cantate pour la Paix“ (Friedenskantate) betrifft, die eine Blüte des ständigen Registers des französisch-deutschen Chores von Paris geworden ist: dieses Werk, welches das französische Institut von Nazareth mit Unterstützung der französischen Botschaft in Tel Aviv bei mir in Auftrag gab, hatte anfänglich zum Ziel, einen katholischen Chor aus Palästina und einen israelischen Chor aus der Nähe von Nazareth miteinander an einem gemeinsamen Konzert arbeiten zu lassen, um so symbolisch zum Friedensprozess beizutragen, der im Jahre 1997 durch die Abkommen von Oslo eingerichtet wurde. Dieses Werk, das zum ersten Mal in der Basilika Don Bosco de Nazareth gegeben wurde, in Zusammenarbeit mit dem berühmten Kammerorchester von Tel Aviv, ein Konzert unter der Schirmherrschaft der UNESCO, und in Anwesenheit des lateinischen Erzbischofs von Jerusalem, war Ausgangspunkt von mehr als fünfzig Konzerten, meistens von französisch-deutschen Assoziationen oder französischen Gemeinden gewünscht, die deutsche Partnerstädte haben. Zwei unter ihnen wertschätze ich im Übrigen, mich zum „Ehrenbürger“ ernannt zu haben, es sind Châteaubriant und Fougères. Dies sind Nominationen für die ich ebensoviel Stolz empfinde, wie für die Wahl meiner “Cantate pour l’Acadie”, zur Aufführung am 29. August 1999 an Moncton High School im Rahmen des Gipfeltreffens der Frankophonie in New-Brunswick, während meine “Suite Wallone” im Rahmen der Feiern von Wallonien in Libramont , Namur, Louvain-la-Neuve und Charleroi geschaffen worden ist. Die „Cantate pour la Paix“ wird am Montag, dem 24. Mai in Scy-Chazelles noch einmal gegeben, im Rahmen des 60. Geburtstags des Aufrufs von Robert Schuman zugunsten der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, dem Vorläufer der derzeitigen Europäischen Union. Bernard Lallement Chorleiter des französisch-deutschen Chores von Paris, Ehrenvorsitzender der Föderation der französisch-deutschen Assoziationen und Gründer der Föderation französisch-deutscher Chöre |
| Zuletzt aktualisiert am Montag, 29. März 2010 um 17:58 Uhr |


Der Französisch-Deutsche Chor: ein wenig Geschichte 

